Von Mira Felten

Jetzt bin ich Senior-Fachberater für digitale Kanäle bei einer Bank. Hättest du mir das mit 18 Jahren gesagt, hätte ich dir `n Vogel gezeigt.“, so Max Stümpel über Wendungen und Überraschungen in seinem Berufsleben. Der 31-Jährige berichtet in einem Online-Interview über seinen Werdegang als „passionierter Geisteswissenschaftler“, wie er sich selbst beschreibt. Das Thema Kommunikation begeisterte Stümpel bereits in der 9. Klasse. Während eines Schulpraktikums bekam der Schüler aus Hannover einen Einblick in die journalistische Arbeit bei der ortsansässigen Zeitung, der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. In der Oberstufe entdeckte er dann die Romane Christian Krachts für sich. Von da an stand für ihn fest: Sein künftiger Beruf muss etwas mit Literatur zu tun haben. Bis zum Literaturstudium schlägt er jedoch Umwege ein, bestimmt durch Zweifel daran, was man mit einem solchen Abschluss überhaupt anfangen kann.

Nach einem Jahr als Verkäufer in einem Buchladen, entschied sich Stümpel für ein Politikwissenschaftsstudium in seiner Heimatstadt, das er nach zwei Jahren abbrach. Es fehlte ihm der geisteswissenschaftliche Bezug. Nach langen Zweifeln, ob das Studieren per se überhaupt das Richtige für ihn sei, entdeckte Max Stümpel 2016 den Studiengang Sprache, Literatur und Kultur (SLK) an der Universität Gießen. „Dieser Studiengang war besonders attraktiv für mich, durch die Kombination aus Gesellschaftswissenschaften und Sprachwissenschaft“. Gießen bot zudem die Möglichkeit, Germanistik mit Schwerpunkt Literatur zu studieren und gleichzeitig zwei Nebenfächer zu wählen. Mit leuchtenden Augen berichtet er von prägenden Lehrveranstaltungen, wie etwa einer Poetik-Vorlesung von Dr. Norman Ächtler über seinen in der Oberstufe auserkorenen Lieblingsautoren. Von großer Bedeutung war auch das Seminar „Antisemitische und antijudaistische Texte von der Bibel bis zur Neuzeit“, geleitet von Prof. Sascha Feuchert. Insbesondere seine Seminararbeit, in der er sich mit den Inhalten der Rap-Texte von Kollegah auseinandersetzte, ist ihm stark in Erinnerung geblieben. Dabei betont Stümpel den großen Nutzen von Hausarbeiten: „Keine meiner Hausarbeiten hat mich genervt, weil ich immer über Themen geschrieben habe, die mich interessierten. Deshalb hatte ich wirklich Spaß daran.“

Ergänzend zu seinen literaturwissenschaftlichen Interessen, sammelte er viele praktische Erfahrungen. So schrieb der damals 23-Jährige Werbetexte für ein Start-Up-Unternehmen, arbeitete für das interdisziplinäre Forschungszentrum, des damaligen „Zentrum für Medien und Interaktivität“ der Uni Gießen, in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und war in den Folgejahren studentische Hilfskraft bei Dr. Ächtler, Prof. Gansel und Prof. Möbius. In den letzten Zügen seines Bachelors bewarb sich Max Stümpel 2019 erfolgreich für ein Praktikum bei Eintracht Frankfurt in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und anschließend bei der Frankfurter Rundschau. Es folgte die Arbeit als Werkstudent bei der Eintracht, wo er ebenfalls für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, nun in der Sparte Leichtathletik zuständig war. Darüber hinaus beschäftigte er sich mit allen dort anfallenden Themen – von Nachwuchsfußball über Breitensport bis hin zur Fankommunikation. „In derselben Zeit habe ich mir überlegt: Was will ich denn jetzt eigentlich so machen?“ Mit seinem Bachelorabschluss bewirbt sich der junge Absolvent an Journalistenschulen. „Zu diesem Zeitpunkt war ich noch der festen Überzeugung, dass ich Journalist werden will.“ Schlussendlich entscheidet sich Max Stümpel für den Masterstudiengang „Technische Redaktion und multimediale Dokumentation“ an der THM. „Und dann habe ich in meinem letzten Mastersemester den gleichen Move gemacht, wie in meinem letzten Bachelorsemester an der JLU.“ So entscheidet er sich für ein Praktikum bei der DB Fernverkehr in der internen Kommunikation.

Rückblickend sagt Stümpel, habe ihn alles, was er neben dem Studium gemacht hat, sehr erfüllt und ihm gleichzeitig Türen geöffnet. Sein Praktikum bei der Eintracht half ihm beim Bewerbungsverfahren um eine freie Stelle in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Vereins, die er schlussendlich für drei Jahre innehatte. Für ihn persönlich ergab sich daraus eine wichtige Erkenntnis: Sportkommunikation interessierte ihn, weil er sich für Geschichten begeistert – diese obliegen nicht dem Sport allein. „Ob in der internen Kommunikation der DB Fernverkehr, in der Pressearbeit von Eintracht Frankfurt oder im Bereich Investitionsförderung der DZ Bank – Geschichten gibt es überall zu erzählen.“

„Das Studium zum Geisteswissenschaftler gibt einem nicht vor, wo die Reise hingeht. Das kann belastend sein“, berichtet Stümpel, „doch genauso kann man es als große Chance sehen.“ Nach langjährigen Erfahrungen in der Berufswelt betont Max Stümpel deutlich: „Man braucht Geisteswissenschaftler da draußen, man braucht sie dringend – das unterschätzen viele.“ Insbesondere im Bereich Kommunikation seien Unternehmen auf der Suche. Gleichermaßen betont der Geisteswissenschaftler, dass das Studium allein nicht bedeutet, dass man prädestiniert für dieses Feld ist. Die Vielfalt an Möglichkeiten stellt Absolvent*innen vor die Herausforderung, sich im Klaren darüber zu sein, welche Richtung sie einschlagen möchten. „Deshalb empfehle ich jedem, während seines Studiums praktische Erfahrungen zu sammeln, durch z. B. Praktika oder Nebenjobs.“ Max Stümpels Werdegang zeigt, dass es im Studium um mehr geht, als einem Plan zu folgen, und dass es manchmal gerade die Umwege sind, die die Richtung weisen.