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Von Yee Cheng Foo, Kim Dung Khuat Thi und Laura Schleicher

Einen Beruf zu finden, bei dem man wirklich etwas bewirken kann, ist als Lehrer/in einer Intensivklasse, gar nicht so schwer. Hier trifft man auf viele verschiedene Schicksale, die einen Einstieg ins Bildungssystem anstreben. Die verschiedensten Nationen treffen aufeinander und alle Kinder haben das gleiche Ziel: Deutsch lernen und in Deutschland in eine neue bessere Zukunft starten.

In Hessen soll dieses Ziel vornehmlich in Intensivklassen erreicht werden. Diese Klassen zielen darauf ab, die Sprachkenntnisse der Schülerinnen und Schüler in kürzester Zeit schnell und effektiv zu verbessern, damit sie schnellstmöglich an dem Unterricht der Regelklassen teilnehmen können.

Mangel an Lehrkräften

Eine ausgebildete DaZ-Lehrkraft (Deutsch als Zweitsprache) kennt Methoden und Techniken, um mit der Heterogenität der Schulklassen umgehen zu können. Allerdings sieht die Situation in Hessen etwas anders aus: Viele Intensivklassen werden von Quereinsteiger/innen geführt, die sich zügig viel fachliches und pädagogisches Wissen aneignen müssen. Dabei finden sich nur weniger Unterstützungsangebote in Form von Lehrplänen, Materialien oder Weiterbildungsmöglichkeiten. Gerade in Intensivklassen es einen enorm großen Mangel an ausgebildeten Lehrkräften. Oft mangelt es sogar der Lehrkraft an Fachwissen, wie das folgende Beispiel an einer integrierten Gesamtschule zeigt: Durch einen extrem hohen Mangel an Lehrkräften wurde eine im Ausland ausgebildete Mathematiklehrerin als DaZ-Lehrerin eingestellt. Nicht nur ihr fehlendes Fachwissen, auch ihre ausbaufähigen Deutschkenntnisse führten dazu, dass es den Kindern aus der Intensivklasse nur schwer möglich war, die deutsche Sprache zu erlernen. Die Schüler/innen bekamen nach einiger Zeit ein ungutes Gefühl und zeigten ihre Hefte und Klassenarbeiten einer anderen Lehrerin. Erst dann zeigte sich, dass die DaZ-Lehrkraft ihren Schülerinnen und Schülern teils Fehler beigebracht hatte. Und dieser Fall ist leider kein Einzelfall in Deutschland: Laut der Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK) Karin Prien benötigt Deutschland bis zum Jahr 2035 etwa 24.000 Lehrer/innen, um den Bedarf an Lehrkräften für zugewanderte Schülerinnen und Schüler zu decken. In Hessen gibt es derzeit rund 2.000 offene Stellen an Schulen, die händeringend nach qualifizierten Lehrkräften suchen.

Ausbildung von Quereinsteigern

Die Ausbildung von Quereinsteiger/innen wird daher immer beliebter, um dem wachsenden Bedarf an Lehrkräften gerecht zu werden. Unter den Quereinsteigern sind besonders Absolventen/innen von Studiengängen, die im Lehrbereich tätig werden möchten, jedoch kein Lehramtsstudium abgeschlossen haben, häufig vertreten. In Hessen haben Absolventen/innen von FH/Uni, Magister oder Bachelor/Master, die mindestens in einem der Fächer Deutsch, Mathematik, Sport, Musik oder Kunst qualifiziert sind, und über mindestens fünf Jahre Berufserfahrung in ihrem studierten Fachgebiet nach dem Studienabschluss verfügen, eine Chance auf eine Anstellung an einer Grundschule. Wie funktioniert die Qualifizierungsmaßnahme?

In sechs Schulhalbjahren werden Quereinsteiger/innen auf die Abschlussprüfung des Qualifizierungserfolges vorbereitet, welcher im siebten Schulhalbjahr stattfindet. Studieninhalte aus den Bereichen Bildungswissenschaften, Didaktik der Grundschule, grundschulrelevantes Fachwissenschaften und Grundschuldidaktik für die Unterrichtsfächer Deutsch, Mathematik und einem dritten Unterrichtsfach werden vermittelt. Zudem dürfen Quereinsteiger/innen an einer Grundschule anteilig eigenverantwortlich unterrichten.

Weitere Informationen zum Quereinstieg in den Schuldienst sowie Basisqualifizierung Deutsch als Fremdsprache können Sie auf der Website des Kultusministerium finden:
https://kultusministerium.hessen.de/sites/kultusministerium.hessen.de/files/2023-02/bewerbungsinfos_quisgs.pdf
https://lehrkraefteakademie.hessen.de/fortbildung-und-beratung/schulische-integration/basisqualifizierung-deutsch-als-zweitsprache

Reicht es aus?

Es gibt jedoch Bedenken, dass die Qualifikation von Quereinsteigern/innen nicht ausreichend sein könnte, um die anspruchsvollen Aufgaben eines Lehrers bzw. einer Lehrerin zu erfüllen. Einige Experten/innen befürchten, dass der Einsatz von Quereinsteiger/innen zu einem Rückgang der Qualität des Unterrichts führen könnte. Warum ist die Qualität der Lehrer/innen hier von solch großer Bedeutung? Niemand würde eine Krankenschwester am offenen Herz operieren lassen – das gleiche gilt auch in der Pädagogik. Lehrkräfte sollten eine fachgerechte Ausbildung sowie ggf. Sprachausbildung erhalten, um sie dazu zu befähigen, die Schüler/innen gut ausbilden zu können.

Dabei sollten Lehrkräfte eine stabile Persönlichkeit haben, um Schüler/innen Halt und Orientierung anzubieten. Darüber hinaus sollten sie sowohl über ein umfangreiches entwicklungspsychologisches, fachliches und pädagogisches Wissen verfügen, als auch die Bereitschaft dazu haben, Schülern bzw. Schülerinnen Werte und Lerninhalte zu vermitteln. Im Hinblick auf die Diversität der heutigen Gesellschaft benötigen Lehrkräfte auch hohe soziale und interkulturelle Kompetenzen sowie Flexibilität, was weit über das fachliche Wissen hinausgeht.

Der Mangel an Lehrkräften stellt zwar eine große Herausforderung dar, dieses Problem kann man aber durch die Ausbildung von Quereinsteiger/innen beheben. Allerdings ist es wichtig zu beachten, dass die angestellten Lehrkräfte in der Lage sind, zugewanderten Kindern nicht nur fachliches Wissen, sondern auch zwischenmenschliche Fähigkeiten zu vermitteln. Deswegen ist die Lehrqualifikation hier von höchster Bedeutung. Das Engagement und die Leidenschaft der Lehrpersonen sind somit für eine zukunftsfähige, inklusive Gesellschaft unabdingbar.