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Von Jule Spicker

Das Ausstellungsplakat © MfG

Die aktuelle Sonderausstellung „Heinrich & Liesl Will. Kunst im Angesicht der Diktatur“ des Museums für Gießen beschäftigt sich mit dem bekannten Künstler Heinrich Will und seiner Ehefrau Elisabeth. Sowohl die Biografien des Ehepaars als auch ihr Wirken und ihre Vernetzung in Gießen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus sind dargestellt. Heinrich und Liesl waren beide Mitglieder im sogenannten Kaufmann-Will-Kreis, in welchem sie oppositionelle Diskussionen mit Gleichgesinnten führten und ausländische Radiosender hörten.

Obwohl sich ein Großteil von Wills Werken bereits in der Sammlung des Gießener Museums befand, war ein besonderes Ereignis für die Entstehung der Ausstellung ausschlaggebend: „Eine Nachfahrin der Wills wandte  sich an uns und bot uns einen Teppich aus dem Besitz des Ehepaars an“, erzählt Dr. Julia Schopferer, die die Ausstellung als wissenschaftliche Mitarbeiterin des Museums mit kuratiert hat. Dies bot den Anlass für weitere Gespräche über mögliche Leihgaben, weitere Nachfahren meldeten sich und boten eine breite Anzahl an Objekten an, die sich bis dahin in ihrem Privatbesitz befunden hatten. Durch diese Kooperation zwischen Museum und Verwandten des Ehepaares entstand schließlich eine große Sammlung an Werken und anderen historischen Gegenständen, die nicht nur das Leben von Heinrich Will als Künstler zeigen, sondern auch einen interessanten Einblick in das private Leben der Wills geben. 

Heinrich und Liesl Will © MfG

Dass neben Heinrich Will auch seine jüdische Ehefrau Elisabeth in den Mittelpunkt der Ausstellung gerückt wurde, macht die Sonderausstellung besonders interessant. Aufgrund seiner Bekanntheit als Künstler gab es in der Vergangenheit bereits diverse andere Ausstellungen rund um Heinrich Wills Werke. Dieses Mal wollte man auch auf Liesls Leben und ihren Einfluss auf Heinrichs Karriere aufmerksam machen. Ihr hatte der Maler wahrscheinlich einen beträchtlichen Teil seines Erfolgs zu verdanken, da ihm die Herkunft seiner Frau aus einer großbürgerlichen Familie zahlreiche Türen öffnete. Außerdem war sie durch ihre umgängliche und freundliche Art wohl auch für einen Großteil des gesellschaftlichen Austausches zuständig. 

„Wir wollten Aktualität reinbringen, ohne eine typische Porträtausstellung zu erstellen“, so die Historikerin Schopferer. Dies wurde unter anderem auch durch die Zusammenarbeit mit Studierenden der Justus-Liebig-Universität erreicht. Bereits in der Vergangenheit arbeitete das Museum mit Studierenden der Kunstgeschichte und der Kunstpädagogik zusammen. In Vorbereitung auf die aktuell laufende Ausstellung gab Prof. Dr. Ansgar Schnurr, Professor für Kunstpädagogik mit dem Schwerpunkt Kunstdidaktik an der JLU, ein Seminar, in dem sich mit den Werken von Heinrich Will, aber auch mit der biografischen Geschichte des Ehepaars beschäftigt wurde. Zusätzlich wurden von Teilnehmenden eigene Werke angefertigt, die neben Wills Gemälden ebenfalls in der Ausstellung zu finden sind. Viele der Werke beschäftigen sich mit der engen Beziehung von Heinrich und Liesl. Eine dieser Arbeiten, die diese starke Beziehung zueinander besonders gut zeigt, ist beispielsweise die von Vincent Kramer, „Wife and Husband“. Auf zwei eng aneinander liegenden Betonblöcken sind die Umrisse des Paares mit Goldfolie geklebt. Es soll die Tatsache betonen, dass sie trotz der Hürden an ihrer Ehe festhielten, denn für Heinrich hätte eine Scheidung von seiner jüdischen Frau berufliche Vorteile bedeutet und ihn vom Berufsverbot befreit.

Unter den Ausstellungsstücken, die von der Familie des Künstlerehepaars bereitgestellt wurden, befinden sich auch persönliche Gegenstände, so zum Beispiel Heinrichs Ehering, in dessen Innenseite der Name seiner Ehefrau Liesl geprägt ist. Das Ehepaar fiel den Nationalsozialisten zum Opfer. Elisabeth Will wurde nach Ausschwitz deportiert und im Dezember 1942 ermordet. Heinrich Will wurde im Februar 1943 in der Strafanstalt Frankfurt-Preungesheim hingerichtet. Die Ausstellung zeigt den Abschiedsbrief, den Heinrich Will kurz vor seiner Hinrichtung an seine Familie schickte. Das Schriftstück wurde als Schenkung an die Stadt Gießen überreicht und stammt, wie viele der anderen Objekte, ebenfalls aus dem Privatbesitz der Nachfahren Wills.

Das öffentliche Interesse an der Sonderausstellung ist dieses Mal besonders groß.

Einen der vielen Gründe, warum sie so gut bei den Besuchern ankommt, sieht die Kuratorin Dr. Julia Schopferer sowohl in der Neufokussierung auf Wills Ehefrau Liesl, als auch in der Zusammenarbeit mit den Studierenden der JLU: „Ich denke, wir haben dadurch nochmal einen neuen Blick darauf geworfen und das hat bei den Besuchern ein großes Echo gefunden.“

Als letzter offizieller Punkt des Rahmenprogramms, das parallel mit der Sonderausstellung stattfindet, organisierte das Museum anlässlich des 130. Geburtstags von Heinrich Will am 27. August einen Empfang.

Die Veranstaltung wurde ab 17 Uhr mit einer Rede des Oberbürgermeisters Frank Tilo Becher eröffnet. Im Anschluss hielt der Historiker Prof. Dr. Walter Mühlhausen einen Vortrag: „Verfolgt, verraten, ermordet – Heinrich Will, Opfer des Nationalsozialismus“. Abschließend lud die Gießener Museumsgesellschaft noch zu einem Sektempfang inklusive musikalischer Begleitung ein. 

Ein Besuch der Sonderausstellung ist noch bis zum 19. Oktober 2025 eintrittsfrei möglich.