Von Christoph Schneider
„10 % Rabatt für Studierende und Auszubildende“ Diese Werbebanner finden studentische Besucher*innen im Erdgeschoss des Warenhauses verteilt – und zwar zeitlich unbegrenzt. Vor allem Studierende anzusprechen, das ist ein Ziel von GALERIA Gießen, da diese einen erheblichen Anteil der Stadt ausmachen.
Zunächst irritiert die Bezeichnung „Karstadt“ am Haus. Viele Gießener*innen und Studierende kennen es noch unter diesem Namen. Doch die Fusion der beiden einstigen Konkurrenten, Karstadt und GALERIA Kaufhof im Jahre 2019, bewirkte einige Namenswechsel: Karstadt wurde so zu GALERIA Karstadt Kaufhof und 2024 letztendlich nur noch zu GALERIA. Das Logo, eine sich zu einer Blüte windendes, kleingeschriebenes „G“, entwickelte sich parallel zu den Namensänderungen.
Die GALERIA-Filiale in Gießen verfügt über sechs Etagen, die aber nicht allesamt gleichzeitig genutzt werden. So steht etwa das Untergeschoss leer, in dem zuvor ein Asia-Markt („Go Asia“) und bis 2020 die GALERIA Markthalle war. Das GALERIA Restaurant existiert ebenfalls nicht mehr, im Erdgeschoss aber finden Kunden eine Volkmann-Bäckerei-Filiale. Weitere Mieter sind der Marburger Uhrenservice, das ADAC-Reisebüro sowie der k-kiosk. In der ehemaligen Klier-Friseurfiliale im ersten Obergeschoss befindet sich nun die hauseigene Änderungsschneiderei.
Kim Benjamin Hügle ist seit 2025 Geschäftsführer dieser Filiale. Er ist kein Newcomer, sondern hat schon Erfahrung in verschiedenen Modehäusern im In- und Ausland gesammelt. Gerade Mode macht einen großen Teil bei GALERIA aus. „Natürlich müssen Sortimente kontinuierlich angepasst und aktuelle Trends aufgegriffen werden, um unterschiedliche Zielgruppen anzusprechen. Genau darin liegt unsere Stärke“, meint er. Obwohl laut Hügle die Stammkundschaft zwischen 45 und 60 Jahren liege, sehe er auch eine enge Verbindung zu Studierenden der Justus-Liebig-Universität (JLU) als Kunden. Gerade diese Mischung mache das Konzept Warenhaus interessant.
Denn: Warenhäuser wie GALERIA stehen für ein universales Angebot: von Bademoden über Damen-, Herren-, Kinderbekleidung, Schuhe, Sportartikel, Haushaltswaren, Uhren, Schmuck, bis hin zu einer Parfümerie, Süßwaren oder Schreibwaren.
Über einhundert Verkäufer*innen kümmern sich um die Bedürfnisse der Kund*innen. Doch das ist nicht genug: Auch verschiedene, manchmal weniger sichtbare Modernisierungen nimmt Hügle in Angriff. Das Parkdeck 13 ist umfassend saniert und Rolltreppen sind ersetzt. „Bei einer Verkaufsfläche von rund 20.000 Quadratmetern handelt es sich um einen fortlaufenden Prozess“, findet er. Bei der GALERIA Gießen sind deshalb Kritik und Anregungen willkommen. Hügle sagt, dass er jede Rückmeldung ernst nehme und eingehend auswerte. Er bezeichnet den Kundenaustausch als einen „wichtigen Bestandteil unseres Erfolgs“.
In den jeweiligen Etagen gibt es zudem sogenannte „Fokus-Points“. Im Erdgeschoss fallen diese direkt ins Auge. Das heißt, auf kleiner Fläche präsentiert GALERIA beispielsweise aktuelle Bademode, dekoriert mit einem Sonnenschirm und mehreren eingekleideten Schaufensterpuppen an einem simulierten Strand. Im Eingangsbereich ist ein weiterer „Fokus-Point“ zu sehen: ein bepackter Kofferwagen eines Hotels. Laut Hügle sind gerade diese „Fokus-Points“ als eine eigene Welt im Warenhaus zu bezeichnen, wobei deren Gestaltung der Gießener Filiale überlassen wird. Das ist besonders, da ansonsten die Zentrale in Düsseldorf Vorgaben macht.
Ein weiterer Punkt ist die Zusammenarbeit mit Gießener Organisationen bei gemeinnützigen Projekten, wie zum Beispiel der Jugendwerkstatt oder der Lebenshilfe. Das Unternehmen kooperiert laut Hügle auch mit regionalen Projekten und anderen Unternehmen wie dem Gießener Kalender oder Gießen Spirits (bekannt für dessen „Gießen-Gin“).
Um Studierende zu gewinnen, müsste GALERIA, so der Geschäftsführer, mehr nach außen treten und den Studierenden die Botschaft übermitteln: „Hey, wir haben auch etwas für euch!“ Darüber hinaus gibt es immer wieder Events, an welchen GALERIA Gießen sich beteiligt, um diese Zielgruppe anzusprechen, so auch die „Gießener Kulturnacht“. Obwohl viele Gießener Studierende Pendler sind, ist es dennoch Ziel des Warenhauses, sie noch mehr von sich zu überzeugen.
Doch wie sehen Studierende das selbst? Der Student Fynn meint: „Für mich ist es generell ein Ritual, zu GALERIA zu gehen. Besonders schön ist es aber um die Weihnachtszeit herum, da ich dort einen Freund treffe, den ich nicht so oft sehe und mit ihm anschließend auf den Weihnachtsmarkt gehe.“ Kritisch wiederum ist Felix: „Mich stört manchmal die zu geringe Auswahl an stylisher Kleidung. Dann gehe ich doch noch weiter zu Peek & Cloppenburg.“ Marlene kennt das Warenhaus schon seit ihrer Kindheit: „Ich bin in Gießen aufgewachsen. Mit Papa und Mama bin ich in die Stadt gefahren. Dort sind wir zu Karstadt, heute GALERIA, gegangen.“ Weiterhin bemerkt Christian: „Selbst mit dem Studenten-Rabatt und dem Sale mit bis zu 50 %-Reduktionen tut sich da preislich nicht viel, denke ich. Deshalb bin ich da selten.“ Positive Erfahrungen hat Lilli sammeln können: „Ich bestelle gerne online Artikel und lasse sie in die Filiale Gießen liefern. Dabei kann ich meinen Studenten-Rabatt nutzen. Die Süßwaren-Abteilung mag ich aber am liebsten.“
GALERIA Gießen passt in die Stadt und fällt sogleich ins Auge beim Flanieren durch die Fußgängerzone Seltersweg. Bei Anwohnern und Studierenden wird es immer wieder in einem Atemzug mit Gießener Hotspots wie dem Bahnhof, dem Dach-Café oder dem Liebig-Museum genannt. Das passt zu Hügles Anspruch, allen gerecht zu werden und eine breite Kundschaft zu erreichen. Die Idee, mit der Stadt Gießen und verschiedenen Einrichtungen zusammenzuarbeiten oder auch selbst Events auszurichten, könnte sich in der Zukunft durchaus lohnen. Auf diese Weise könnte das Warenhaus neue Zielgruppen gewinnen und ein weiterer Baustein wäre gelegt, um Soziales, Kultur und Konsum zusammenzubringen. Solche Projekte vermitteln eine zuversichtliche Darstellung der GALERIA-Zukunft, in der Warenhäuser gesellschaftliche Verbindungspunkte sein können.