Ein Besuch im Hessischen Literaturrat e.V. in Wiesbaden – Das Absolventenportrait von Madelyn Rittner

Von Leonie Becker, Sebastian Ernst und Lea Kunz

Im Juni machten sich drei Gießener Studierende auf den Weg in die hessische Landeshauptstadt, um dort die Absolventin Madelyn Rittner an ihrem heutigen Arbeitsplatz zu treffen und eine Antwort auf die Fragen zu finden: „Was macht man denn mit einem Abschluss in Germanistik?“ und „Wieso sollte man dafür ausgerechnet nach Gießen kommen?“

Die Absolventin an ihrem Arbeitsplatz.

Madelyn Rittner hat von 2009 bis 2015 Germanistik und Anglistik an der JLU Gießen studiert. Seit 2017 ist sie Geschäftsführerin des Hessischen Literaturrats e.V. in Wiesbaden. Zuvor war sie Programmleiterin im Literarischen Zentrum Gießen (LZG). Ihre Begeisterung für die Gegenwartsliteratur verbindet sie nun mit landesweiter Öffentlichkeitsarbeit für SchriftstellerInnen. Wir trafen sie in ihrem Büro und haben sie zu ihrer aktuellen Tätigkeit, ihrem beruflichen Werdegang und ihrem Studium in Gießen befragt.

Ihr Aufgabenspektrum ist vielfältig. Dazu gehört die Förderung von NachwuchsautorInnen mit Stipendien sowie die Planung von Lesungen für neu entstandene Texte. Doch neben der Organisation von Veranstaltungen und der verantwortungsvollen Verwaltung der Finanzen bietet der Beruf auch andere Herausforderungen: „Im Kulturbereich gehört es dazu, dass man nicht unbedingt regelmäßige Bürozeiten hat, sondern noch mit den Autoren abends gemütlich beisammen sitzt oder auch Wochenendtermine wahrnehmen muss.“ Doch zahlreiche Treffen und Termine hatte sie bereits in der Projektleitung des LZG. Ihre dort gesammelten Erfahrungen kommen ihr nun zugute.

Madelyn Rittner strahlt Zufriedenheit aus. Dennoch fragen wir sie, was sie aus heutiger Sicht anders gemacht hätte. Tatsächlich hätte sie, im Nachhinein betrachtet, gerne noch früher erste Erfahrungen im Literaturbetrieb gesammelt; hätte mehr Praktika gemacht und diese gezielt im literarischen Bereich angesiedelt.

Generell ist Rittner der Ansicht, dass nichts fördernder und sinnvoller sei als eine frühe Orientierung an der Praxis: „Gerade im Kulturbereich ist es absolut notwendig, Praktika zu machen. Zum einen, um selbst die Orientierung zu finden: Was macht mir Spaß? Was gefällt mir? Was ist eine Richtung, die ich mir vorstellen könnte?.“

Ein Praktikum lehre einen vieles, was das Studium nicht behandelt; darunter fallen Aufgaben wie das Verfassen einer Pressemitteilung oder die Arbeit an einer Homepage. Praktika seien unerlässlich für die berufliche Orientierung und Selbstfindung. Rittner rät hier zunächst zu breit gefächerten Praktika, um die individuellen Interessen und Begabungen auszuloten. Danach sei es wichtig, in die Vertiefung zu gehen.

Welche Fertigkeiten hat sie wiederum speziell aus dem Studium an der JLU mitgenommen, wollten wir wissen. Das Studium der Germanistik sei unglaublich wichtig und sinnvoll gewesen: „Gerade Kompetenzen, die man sich über Hausarbeiten aneignet“ sind sehr hilfreich. Darunter fallen für sie das Verfassen von klaren, zusammenhängenden Texten und die Fähigkeit, sich über längere Zeit intensiv mit einem Thema zu beschäftigen. Auch die korrekte Anwendung von Rechtschreibung, Kommasetzung und grammatischer Richtigkeit seien keine Kleinigkeiten, sondern ein „Handwerk“, das beherrscht sein will. Darüber hinaus lobt Rittner das Modul „Literarische Bildung und kulturelle Praxis“ in der Germanistik. Hier hat sie mit ihren Kommiliton*innen eine Ausstellung konzipiert.

Wenn sie die Wahl hätte, würde sie sich wieder für Gießen entscheiden. Durch ihr dortiges Studium kam sie mit dem LZG in Berührung, das zum Dreh- und Angelpunkt in ihrer beruflichen Laufbahn wurde. Die Stadt habe viel für Studierende zu bieten. So etwa spannende Veranstaltungen und Lesungen von bekannten sowie lokalen AutorInnen oder die Möglichkeit, im Rahmen eines Praktikums erste berufliche Erfahrungen zu sammeln. Abschließend hält Madelyn Rittner fest: „Man braucht keinen Masterplan, aber man muss wissen, was man will.“

„Im Kulturbereich gehört es dazu, dass man nicht unbedingt regelmäßige Bürozeiten hat, sondern noch mit den Autoren abends gemütlich beisammen sitzt oder auch Wochenendtermine wahrnehmen muss.“