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Wenn der Name Programm wird

von Samanta Wörner

Überraschend, skurril und verbindend – so lässt sich die Exkursion des letzten Sommersemesters unter der Leitung von Prof. Joachim Jacob nach Halberstadt wohl am besten beschreiben. Unter dem Seminartitel Literatur-und Briefkultur, Freundschaft und Geselligkeit im 18. Jahrhundert. Exkursionsseminar im Gleimhaus, Halberstadt konnten sich die Germanistik-Masterstudierenden aus den beiden Universitäten Marburg und Gießen zunächst nur wenig vorstellen, zumal eine Exkursion auf den Spuren des Dichters und Sammlers Johann Wilhelm Ludwig Gleim für die meisten Teilnehmenden literarisches Neuland bedeutete. 

Nach der Ankunft im Hotel ging es direkt weiter ins Gleimhaus für eine erste Führung. Mit dem, was die Studierenden dort erwartete, hatte aber keiner zuvor gerechnet: Im kleinen Hof ein Kreis voller skurriler Urnen mit bekannten Namen, wie z. B. Lessing, sorgte zunächst für Verwirrung. Natürlich waren dort nicht die tatsächlichen Überreste der berühmten Schriftsteller verwahrt. Gleim hatte diese Kuriosität als Andenken seiner verstorbenen Freunde errichten lassen. Nicht weniger skurril war ein Raum, in dem einen hunderte von Augen anblickten. Im sogenannten Freundschaftstempel hatte Gleim Porträts all seiner Bekannten aufhängen lassen. 

Schnell wurde klar: Je mehr die Studierenden über den exzentrischen Dichter und Gesellschafter Gleim erfuhren, desto interessanter wurde die Exkursion. Die Seminarstunden vergingen ungewöhnlich schnell. Man konnte am Nachbau von Gleims Schreibtisch spaßen und die Kälte des Hauses genießen, während draußen Temperaturen von über 30 Grad das Gras austrockneten. Abends ging es zum gemeinschaftsstiftenden Pizza-Essen oder Picknicken. Wie auf Klassenfahrten versammelten sich die Studierenden im größten Zimmer und ließen keine Wein- oder Bierflasche ungeöffnet. 

Doch die größte Überraschung war wohl das Orgel-Projekt. Das John-Cage-Orgel-Projekt enttarnte sich für so manchen als spirituelle Erleuchtung. Dabei soll über 639 Jahre so langsam wie möglich ein Musikstück abgespielt werden, seit 2013 und noch bis 2020 klingt also durchgängig ein- und derselbe Ton in den Hallen eines alten Klostergebäudes. Einmal im Gebäude scheint das Konzept von Zeit schnell surreal. Zufrieden und halb in Trance wirkten viele Studenten beim Verlassen des überraschend angenehmen Orts. Am Ende fuhren die Germanistik-Kurse enger denn je und sichtlich zufrieden nach Hause. Freundschaft und Geselligkeit waren also nicht nur im 18. Jahrhundert, sondern auch in Halberstadt 2018 in knapp drei Tagen greifbar geworden.